Januar 1923

Am 2. Januar vor 100 Jahren wurden die Bewohnerinnen und Bewohner von Latzwall bei Spreenhagen früh um halb fünf aus dem Schlaf gerissen: Der Geflügelhof Birkenrode stand in Flammen. Ein Nachbar alarmierte die Feuerwehr.
„Trotzdem die Spreenhagener Feuerwehr sofort herbeieilte, brannte der Stall, in dem außer Futtervorräten auch Möbel untergebracht waren, bis auf die Umfassungsmauern nieder“, schreibt das Lokalblatt einen Tag später. Beim Betreten des villenartigen Wohnhauses stellte die Feuerwehr jedoch fest: Hier ging etwas nicht mit rechten Dingen zu.
Es gelang zwar, den Hausbrand zu löschen, ehe größerer Schaden entstand, aber bei der Untersuchung der Räume stellte man fest, dass hier offensichtlich ein Brandstifter am Werk gewesen war.

„In allen Räumen waren Preßkohlen, Papier, Kisten usw. in der Nähe der Möbel zusammengetragen. Aus diesem Grund ist die Küche vollständig ausgebrannt“, so das Lokalblatt. Damit der Feuerschein von außen nicht bemerkt werde, seien alle Fenster mit Decken verhängt worden.
War die Ehefrau die Brandstifterin?
Und damit nicht genug: Die Hausbewohnerin Frau Lampe, die mit ihrem Ehemann in Scheidung lebte, war laut Zeitungsrecherche über Nacht mit ihren Hunden verschwunden. „Das stark verschuldete Grundstück war am 31. Dezember in Storkow versteigert worden. Es hatte 14.000 Mark gebracht“, ist in dem Artikel nachzulesen. Da dies aber gerade mal die Schulden deckte, wäre für die Frau nichts übrig geblieben. Der Verdacht sei nun, dass sie es auf die Feuerversicherungsprämie abgesehen hatte.
Das Ehepaar Lampe gatte bei seinem Einzug vier Jahre zuvor eine schöne Wohnungseinrichtung und einen gewissen Wohlstand besessen.

„Häuslicher Frieden war den Eheleuten jedoch nicht beschieden. Die Frau verstand es, dem Manne das Haus mehr und mehr zu verleiden.“ Er sei immer seltener zu Hause erschienen und habe dann Kartoffelsuppe von ihr vorgesetzt bekommen, obwohl er diese nicht gern mochte.
Schließlich willigte der Mann, ein ehemaliger Bankbeamter und Rennfahrer, in die Scheidung ein und zog nach Halle an der Saale, um einen Eierhandel zu leiten. Die Frau blieb und machte Schulden. Zuletzt konnte sie das Futter für die vielen Hühner nicht bezahlen. Mehrere Prozesse liefen bereits gegen sie. Man habe auch herausgefunden, dass sie bei mehreren Versicherungen Anträge gestellt hatte.

„Wohin sich die Frau gewendet, war bis Sonntagabend unbekannt. Es fehlt ein Fahrrad, woraus man schließt, sie habe dieses bis Erkner benutzt“, so die Zeitung. Von dort aus sei sie wohl mit dem Zug nach Berlin gefahren.

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